Mittelfränkischer Kartoffelbautag

ER-Mittelfranken

Jahreshauptversammlung 2024 der Erzeugergmeischaft Roth und des Erzeugerrings für Qualitätskartoffeln Mittelfranken

Die mittelfränkischen Kartoffelanbauer haben ein durchwachsenes Anbaujahr hinter sich. Auf der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Erzeugergemeinschaft Roth und des Erzeugerrings für Qualitätskartoffeln Mittelfranken, berichtete der EG-Vorsitzende Herbert Hechtel über das abgelaufene Jahr. Infolge des nassen Frühjahrs verzögerte sich die Auspflanzung der Kartoffeln teilweise bis in den Mai hinein. Danach konnten sich die Kartoffeln zunächst sehr gut entwickeln, bis zum Beginn der in Franken typischen Hitze- und Trockenphase im Juni. Trockenheit und hohe Temperaturen hielten bis Ende Juli an. Dies überstanden viele Kartoffelbestände nicht, vor allem frühere Sorten reiften vorzeitig ab. Die Folge waren niedrige Erträge bei schlechten Sortierungen. Für spätere Sorten kamen die Niederschläge im August aber noch rechtzeitig. Das Knollenwachstum setzte wieder ein, wodurch häufig noch zufriedenstellende Erträge erzielt werden konnten. Auf der anderen Seite führte das späte Wachstum aber zu zahlreichen Qualitätsproblemen sowie zu niedrigen Stärkegehalten und eingeschränkter Haltbarkeit. Bei der jährlichen gemeinsamen Vorernterundfahrt der EG mit dem Vertragspartner, der Firma Henglein aus Wassermungenau, ergab sich bei durchgeführten Proberodungen ein Durchschnittsertrag von ca. nur 280 dt/ha und lag damit unter dem langjährigen Mittelwert von 350 dt/ha. Allerdings konnten die Ertragszuwächse der späten Sorten zu diesem Zeitpunkt noch nicht miterfasst werden. Die Einzelerträge schwankten sehr stark, je nach Schlag oder Sorte, zwischen 120 und 500 dt/ha.

Über die Bonituren im Rahmen der neutralen Qualitätskontrolle bei der Firma Henglein, berichtete der Erzeugerringgeschäftsführer Jürgen Reingruber. Im Durchschnitt aller mittelfränkischen Anlieferungen lagen die Gesamtmängel bei guten 4,4 Prozent und somit leicht über dem Ergebnis des Vorjahres von 4,0 Prozent. Bei den Einzelmängeln stachen aber, wie schon im Vorjahr, die faulen Knollen mit dem sehr hohen Durchschnittswert von 0,8 % heraus. Niederschläge im August führten zu starkem Zwiewuchs, Kindelbildung, Hohlherzigkeit und somit auch zu Glasigkeit, niedrigen Stärkegehalten und Haltbarkeitsproblemen infolge von Fäulnis. Verstärkt zeigten dies wieder die späteren Sorten, wie z.B. Karelia, Belmonda oder Sevim. Einige Partien waren nicht lagerfähig und mussten bereits im Herbst verwertet werden.

 

Marcus Helminger, Betriebsleiter vom Vertragspartner der Firma Henglein - Wassermungenau, vertrat Firmenchef Norbert Henglein. Die Firma Henglein ist stark von den gestiegenen Kosten in allen Bereichen betroffen, insbesondere bei Löhnen, Energie und Rohstoffen. Unbedingt notwendige Preiserhöhungen beim Lebensmitteleinzelhandel (LEH) konnten zwar im vergangen Jahr realisiert werden, allerdings übt der LEH momentan starken Druck aus, um die Preise wieder zu senken. Kontraproduktiv war dabei in der vergangenen Ernte die Preispolitik der Pommes Hersteller, welche die Preise in der Ernte bis auf 12 €/dt abgesenkt hatten, obwohl bereits dort schon klar war, dass Kartoffeln eher knapp sein werden. Dies hat sich im weiteren Verlauf der Vermarktungssaison auch bestätigt. Momentan sind die Preise hoch und die Firma Henglein hat Probleme, ausreichend Kartoffeln in guter Qualität zu bekommen. Die schwachen Qualitäten von Kartoffelzufuhren führen außerdem zunehmend zu Schwierigkeiten in der Produktion.

Marcus Helminger gab zudem einen Einblick in das Marktumfeld für Kartoffelfrischprodukte. Der Umsatz beim Hauptprodukt Kloßteig ist seit Jahren leicht rückläufig. Der Rückgang beim Kloßteig kann zwar durch andere Kartoffelprodukte wie Schupfnudeln oder Gnocchi ausgeglichen werden. Insgesamt machen die Kartoffelprodukte aber nur noch ca. 30% am Gesamtumsatz aus, der Rest sind die reinen Teigwaren, wie Spätzle, Nudeln, Blätter/-Pizza-/Strudelteig, Dampfnudeln, usw. Die Firma Henglein möchte weiterhin möglichst viele Kartoffeln aus der Region verarbeiten. Für den mit der Erzeugergemeinschaft Roth neu ausgehandelten Dreijahresvertrag ab der Ernte 2024, wurden jetzt im jährlichen Preisgespräch nochmal deutliche Preisaufschläge ausgehandelt, da dies die momentane Preissituation am Markt erfordert.

 

Die Ehrung der Kartoffelkönige wurde durch Marcus Helminger, Betriebsleiter der Firma Henglein, durchgeführt. Dabei wurden folgende Landwirte als Lieferanten mit der besten Qualität (Ernte 2022) ausgezeichnet:

Kategorie über 2.000 dt:
1. Platz: Volkert GbR – Obersteinbach (1,62 % Gesamtmängel)
2. Platz: Müller Fritz – Oberding (1,65 %),
3. Platz: Kleeflügel Dieter – Beerbach (1,81 %).

 

Kategorie unter 2.000 dt:
1. Platz: Hechtel GbR  – Wolfsau (1,76 %)
2. Platz: Bernreuther Heiko - Dürrenmungenau (1,80 %)
3. Platz: Volkert-Kübler GbR – Leipersloh (1,89 %).

 

Die Gewinner erhielten Geld- und Sachpreise von der Firma Henglein.