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Bonität : Mehr Insolvenzen in der Landwirtschaft

Die Insolvenzen bei landwirtschaftlichen Betrieben nehmen zu, das berichtet die Bonitätsprüfungsgesellschaft Creditsafe, die im laufenden Geschäftsjahr deutlich mehr Insolvenzen registriert als im gesamten Jahr zuvor.

Für Creditsafe-Geschäftsführer Goran Filipovic ist diese Entwicklung auf einen direkten Zusammenhang zwischen den steigenden Landpreisen und den landwirtschaftlichen Konkursen zurückzuführen. Denn Investoren mit genügend Kapital seien weiterhin auf der Suche nach guten Renditen im Ackerland, begründete er seine Einschätzung. Dies führe zwangsläufig zu einer weiteren Steigerung der Pacht- sowie Kaufpreise, wodurch letztlich die kleineren Betriebe vom Markt gedrängt würden, so der Creditsafe-Chef.

Mehr Insolvenzen als im Vorjahr

Nach den Angaben des Unternehmens mussten in diesem Jahr 69 landwirtschaftliche Betriebe Insolvenz anmelden. Bis zum Jahresende soll diese Zahl auf 83 steigen, prognostiziert Creditsafe. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies demnach einen Anstieg um knapp 30 Prozent. Betroffen von Zahlungsproblemen sind insbesondere kleinere Betriebe mit knapp über 50 Hektar Landbesitz. In dem genannten Zeitraum fiel zugleich die Neugründungsrate um 50 Prozent. 2014 seien bundesweit rund 600 neue landwirtschaftliche Betriebe registriert worden, erläuterte Creditsafe. In diesem Jahr soll es knapp 300 neue Branchenteilnehmer geben.

Hohe Bodenpreise brechen das Genick

Als Hauptgrund für den Rückgang nennt die Prüfgesellschaft die schwierigen Einstiegsbedingungen. So belastet der rasante Anstieg der Kauf- und Pachtwerte zwangsläufig die Umsatz- und Gewinnaussichten der Landwirte. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes verdreifachten sich die Marktpreise in diesem Bereich zum Teil in den vergangenen Jahren, zitiert das Unternehmen. Zudem befinde sich mehr als die Hälfte der verfügbaren Ackerflächen schon heute im Besitz von Investoren, warnt Creditsafe. Indem Agrar-Investoren große Flächen von mehreren Tausend Hektar aufkaufen, sind sie nach Ansicht von Filipovic direkt für die hohen Bodenpreise verantwortlich. Dies koste manche Landwirte die Existenz, kritisierte er.

Subventionen bringen die Branche in Schieflage

Die Landwirte sehen nach seiner Aussage die EU-Subventionen für Ackerland als Hauptgrund dafür, dass Investoren mit ihnen um Flächen konkurrieren. Allein im letzten Jahr erhielten landwirtschaftliche Betriebe aller Größenordnungen insgesamt rund 6,4 Milliarden Euro aus EU-Töpfen, stellte der Geschäftsführer fest. Unter den Empfängern waren demnach zwar auch Kleinbauern, allerdings profitierten Energie, Agrar- und Schlachtkonzerne, gemessen an der Fördersumme, am stärksten von der Auszahlung.


In diesen Subventionen sieht Filipovic ein strukturelles Problem: Denn Großunternehmen könnten sich Geld leicht am Kapitalmarkt beschaffen und sich damit Land sichern, wofür sie Subventionen erhalten, sagte der Marktbeobachter. So sei es ihnen möglich, in noch mehr Flächen zu investieren. Daran wird aus Sicht Filipovics deutlich, wie wichtig politische Maßnahmen sind, um den Reiz für Anleger zu verringern und so den Poker um Ackerland zu beenden. Sobald Großbetriebe keine Subventionen mehr bekämen, sei davon auszugehen, dass sich die Pacht- und Kaufpreise wieder stabilisieren und Landwirte von ihrem Ertrag wieder leben könnten, meint der Creditsafe-Geschäftsführer.


agt Dow Jones

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