Dominierendes Thema am mittelfränkischen Kartoffelbautag war die Lage am Kartoffelmarkt in Deutschland mit historischen Tiefpreisen, von derzeit nur 3 bis 7 Euro je dt Verarbeitungskartoffeln und nur ca. 12 – 13 Euro je dt bei Speisekartoffeln. Pommes Kartoffeln wurden teilweise für unter 2 Euro je dt gehandelt. Dies führte dazu, dass große Mengen an freien Kartoffeln in Biogasanlagen o.ä. „entsorgt“ werden müssen. Die Hauptgründe die Marktsituation liegen in einer deutlich ausgeweiteten Kartoffelanbaufläche 2025 in Verbindung mit Rekorderträgen in den Hauptanbaugebieten wie Norddeutschland und Südbayern. Franken war die einzige Region in ganz Deutschland mit eher schlechten Erträgen.
Der Vorsitzende der Kartoffel-Erzeugergemeinschaft (EG) Roth, Herbert Hechtel, berichtete über das abgelaufene Jahr. Zunächst herrschten optimale Bedingungen zum Legen der Kartoffeln. Die Bestände konnten sich anfangs schnell und gut entwickeln. Im Juni setzte dann aber die für Franken typische Hitze- und Trockenphase bis Mitte Juli ein. Vor allem Temperaturen mit deutlich über 30 Grad setzten den Kartoffeln stark zu und führten zum vorzeitigem Absterben von Beständen früherer Sorten. Der Regen im Juli und August kam für die frühen Sorten meist zu spät. Bei der jährlichen gemeinsamen Vorernterundfahrt der EG mit dem Vertragspartner, der Firma Henglein aus Wassermungenau, ergab sich bei durchgeführten Proberodungen ein Durchschnittsertrag von nur ca. 240 dt/ha, welcher weit unter dem langjährigen Mittelwert von 340 dt lag. Die Einzelerträge schwankten dabei sehr stark, je nach Schlag oder Sorte, zwischen 120 und 420 dt/ha. Die späteren Sorten konnten aber in der Zeit nach der Felderrundfahrt teils noch enorme Ertragszuwächse verzeichnen, wodurch in der Praxis bei vielen Betrieben zumindest noch eine knapp durchschnittliche Ernte eingefahren werden konnte.
Über die Bonituren im Rahmen der neutralen Qualitätskontrolle bei der Firma Henglein, berichtete der Erzeugerringgeschäftsführer Jürgen Reingruber. Bei jeder Anlieferung von Kartoffeln wird von den Qualitätsprüfern des Erzeugerring eine Probe gezogen und bonitiert. Dies ist dann die Basis für die Abrechnung mit Qualitätszuschlägen oder Abschlägen. Im Durchschnitt aller mittelfränkischen Anlieferungen aus der Ernte 2025, lagen die Gesamtmängel bisher bei ca. 4,7 Prozent und somit nur leicht über dem guten Ergebnis des Vorjahres von 4,5 Prozent. Bei den Einzelmängeln waren vor allem tierische Beschädigungen, Drahtwurm und Rhizoctonia vorherrschend. Auch faule Knollen infolge von Phytophthora und der Nässe bei der Ernte im Herbst, waren immer wieder zu finden. Zulieferungen aus Südbayern oder Norddeutschland zeigten mit ca. 6 Prozent Gesamtmängel eine deutlich schlechtere Qualität. Probleme bereiteten häufig die extrem niedrigen Stärkegehalte von deutlich unter 10 Prozent.
Vertragspartner der Kartoffelerzeugergemeinschaft ist die Firma Henglein aus Wassermungenau, ein regionaler Hersteller von Kartoffelprodukten wie Kloßteig, Schupfnudeln und Gnocchi sowie von Teigwaren. Markus Henglein, Juniorchef der Firma Henglein, berichtete vom aktuellen Marktumfeld. Der Umsatz beim Hauptprodukt Kloßteig ist schon seit Jahren leicht rückläufig und war 2025 noch mal um ca. 9 Prozent regelrecht eingebrochen. Das enorm wichtige Weihnachtsgeschäft mit Kloßteig, war das schlechteste in der Firmengeschichte. Der Grund liegt wohl in den sich ändernden Ernährungsgewohnheiten mit weniger Verzehr der klassischen Braten mit der Beilage Kloß. Der Rückgang beim Kloßteig kann nur teilweise durch die anderen beiden Kartoffelprodukte Schupfnudeln und Gnocchi ausgeglichen werden. Lichtblick waren aber insgesamt die Teigwaren, wie Spätzle, Nudeln, Blätter/-Pizza-/Strudelteig, Dampfnudeln, usw., wodurch der Gesamtumsatz gehalten werden konnte. Er betonte die Bedeutung des regionalen Vertragsanbaus für die Firma. Auch wenn bei weitem nicht mehr alle Kartoffeln in Mittelfranken erzeugt werden können, möchte die Firma Henglein die regionalen Erzeuger unterstützen und bei der Stange halten. Basis hierfür ist der neu mit der Erzeugergemeinschaft Roth ausgehandelte Dreijahresvertrag ab der Ernte 2027. Entgegen dem Trend in der gesamten Kartoffelbranche mit deutlich sinkenden Vertragspreisen von 4 -5 Euro je dt, gab Markus Henglein bekannt, dass bisherigen Vertragspreise auch im neuen Vertrag gehalten werden. Ein klares Bekenntnis zum regionalen Anbau ist auch, dass allen Vertragslandwirten die Möglichkeit angeboten wurde Ihre Vertragsmengen zu erhöhen.
Die Ehrung der Kartoffelkönige wurde durch Markus Henglein durchgeführt. Dabei wurden folgende Landwirte als Lieferanten mit der besten Qualität (Ernte 2024) ausgezeichnet:
Kategorie über 2.000 dt Vertragsmenge:
1. Platz: Kübler Friedrich – Leipersloh (2,54 % Gesamtmängel),
2. Platz: Volkert GbR – Obersteinbach (2,92 %),
3. Platz: Bernreuther Heiko – Dürrenmungenau (3,16 %).
Kategorie unter 2.000 dt Vertragsmenge:
1. Platz: Maurer Reinhold - Moosbach (2,46 %),
2. Platz: Günzel GbR - Leipersloh (2,81 %),
3. Platz: Tröster Agrar GbR – Röthenhof (2,87 %).
Die Gewinner erhielten Geld- und Sachpreise von der Firma Henglein.



